Henrike Lähnemann (Oxford) Marjorie Elizabeth Plummer (Tucson) und Eva Schlotheuber (Düsseldorf)
Zeit: 25.-28.08.2027
Ort: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Einreichfrist: 31.07.2026
Ziel der Tagung ist es, die Rolle sowohl katholischer als auch protestantischer Frauen an der Schnittstelle von Mittelalter und Reformationszeit neu zu bewerten. Im Fokus stehen insbesondere die Perspektiven und intellektuellen Beiträge der Frauen, nicht zuletzt aus religiösen Gemeinschaften, die die sich neu ausformenden religiösen, sozialen und ökonomischen Handlungsspielräume aktiv mitgestalteten. Im Zentrum der Tagung stehen Selbstzeugnisse, Briefwechsel, liturgische Praxis, archivalische Quellen für Rechts- und Finanzgeschichte sowie die materiellen Hinterlassenschaften religiöser Frauengemeinschaften als Quellen für die Umbrüche des 16. Jhds.
Die Forschung zur Reformation und den Frauen der Frühen Neuzeit hat sich bislang vor allem auf herausragende protestantische Einzelgestalten konzentriert, etwa auf Argula von Grumbach, Elisabeth Cruciger oder protestantische Landesfürstinnen wie Elisabeth von Calenberg. Deutlich weniger Aufmerksamkeit wurde dagegen den Frauen gewidmet, die an der traditionellen religiösen Lebensform festhielten oder innerhalb der Klöster eigenständige Antworten auf die reformatorischen Herausforderungen entwickelten. Dies hängt nicht zuletzt mit der nachhaltigen Wirkung protestantischer Deutungsmuster zusammen, insbesondere mit Martin Luthers Darstellung der Frauenklöster als überholte Einrichtungen, aus denen die Nonnen „befreit“ werden müssten. Tatsächlich zeigen Briefe, Chroniken, liturgische Handschriften, Rechtsgutachten, Rechnungen, Visitationsberichte, politische Fallstudien und materielle Spuren jedoch, dass religiöse Frauen ihre Lebensform selbstbewusst verteidigten, reformulierten und aktiv mitgestalteten. Sie argumentierten theologisch, wirtschaftlich und politisch und nahmen auf Augenhöhe an den konfessionellen Debatten ihrer Zeit teil.
Die Tagung möchte daher den Blick von einzelnen Ausnahmefiguren auf Frauengemeinschaften, religiöse Praxis und die Verflechtung von Alltag, Materialität und Theologie erweitern. Durch interdisziplinäre und internationale Perspektiven soll zugleich ein Beitrag zu den weiterhin intensiv diskutierten Fragen nach Bildung, Schriftlichkeit und Continue reading

Haus der Geschichte Österreichs (hdgö)
The European Rural History Organisation (EURHO); Univ. of Primorska in Koper, Faculty of Humanities
kritische berichte. Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften
traverse. Zeitschrift für Geschichte. Revue d’histoire 1/2028
Anne Kwaschik, Beate Ochsner und Liane Wörner: Forschungsinitiative „Female Ecologies“, Univ. Konstanz (Ukon)