4. Queer History Day (QHD) mit Schwerpunkt Fachdidaktik, 29.04.2017, Wien

Ausgesprochen-Plakatkampagne-2015-Schulen-W-Sujet-Globus_web-213x300Veranstaltet vom Zentrum QWIEN in Zusammenarbeit mit der Aids Hilfe Wien und dem Institut für Geschichte der Universität Wien
Zeit: 29. April 2017, 11.00–17.00 Uhr
Ort: Aids Hilfe Wien, Mariahilfer Gürtel 4, 1060 Wien
Der 4. Queer History Day (QHD) wird wieder einen Schwerpunkt zum Thema Fachdidaktik Geschichte haben. Neben Studierenden sollen auch historisch Interessierte ohne universitären Hintergrund angesprochen werden. Der QHD versteht sich als ein niedrigschwelliges Angebot, sich mit der queeren Geschichte der Stadt auseinanderzusetzen. Nach dem Eröffnungsvortrag und 20-minütigen Kurzvorträgen zu unterschiedlichen historischen Themen und praktischen Fragen der Unterrichtspraxis werden in Workshops und Arbeitsgruppen die jeweiligen Themen anhand von Quellenmaterial weiter vertieft und diskutiert.
Programm

  • 11.00: Begrüßung durch Wolfgang Wilhelm, Obmann Aids Hilfe Wien
  • 11.15–12.00: Eröffnungsvortrag: Christoph Kühberger: Zum sexualisierten Verhältnis zwischen faschistischen Massen und ihren Führern. Geschichtswissenschaftliche Erkundungen und geschichtsdidaktische Reflexionen


Entlang einer geschlechtergeschichtlichen Analyse zur Masse im nationalsozialistischen Deutschland und im faschistischen Italien wird das Verhältnis der Menschen zu Hitler bzw. Mussolini dargestellt, um vor allem nach der sexuellen Komponente dieser Beziehung zu fragen. Von diesen Überlegungen ausgehend werden Fragen nach den geschichtsdidaktischen Herausforderungen für die schulische Praxis im Umgang mit Sexualität angeschlossen.
Christoph Kühberger ist Hochschulprofessor für Geschichts- und Politikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Stefan Zweig sowie Leiter des dort angesiedelten Bundeszentrums für Gesellschaftliches Lernen.
12.00–12.15: Kaffeepause
Vorträge und Workshops

  • 12.15–12.35: Markus Pusnik (Verein Ausgesprochen!): LGBTIQ in Schule: Diversität – Kultur – Inklusion

Ausgesprochen – Plakatkampagne 2015 – Schulen W – Sujet – Globus_web. Im öffentlichen Schulsystem finden wir ein lebendiges Abbild von Gesellschaft vor. Jeglicher Aspekt von Diversität lässt sich dahingehend verorten, so er denn ausgesprochen werden kann und möchte! Aktuell ist Schule betont in der Diskussion rund um inklusive Modellierung eingebunden. Möchten wir Inklusion als Prozess verstanden wissen, so müssen die Akteur*innen im Diversitätsspektrum zunächst exklusiv hervorgehoben werden, damit das gleichberechtigte Zusammenwirken dieser Kräfte innerhalb einer vielfältigen und diskriminierungsfreien Idee von Schule gewährleistet sein kann. Ein Blick auf kulturelle Aspekte von Schule könnte hierin als rotierende Achse der Pole Diversität und Inklusion verstanden werden. Der Vortrag möchte sich also prägnant den Begriffen Diversität, Kultur und Inklusion widmen und anschließend seine Verortung im schulischen System begreifen.
Im Workshop, gemeinsam mit Victoria Veronese, können und sollen die vorgestellten Aspekte hinterfragt, diskutiert und formuliert werden. Daraus können definierte Handlungsfelder beschrieben werden, denen konkrete Maßnahmen folgen wollen!

  • 12.35–12.55: Christopher Treiblmayr (Univ. Wien) und Manuela Bauer (QWIEN): „Ich weiß, was ein Warmer Bruder ist und dass ein solcher bestraft wird.“ NS-Gerichtsakten als Quelle für Selbst-und Fremdbilder männlicher Homosexueller in Österreich

Der Vortrag präsentiert die Ergebnisse eines 2016 bei QWIEN durchgeführten Forschungsprojekts, dessen Ziel die bislang umfassendste Bestandsaufnahme von Eigen- und Fremdwahrnehmungen von männlichen Homosexualitäten in Österreich während der NS-Herrschaft war. Es zeigt sich eine von vielen Widersprüchlichkeiten gekennzeichnete Verfolgungspraxis, die gleichwohl gravierende Auswirkungen auf das Leben der als „homosexuell“ Verfolgten hatte.
12.55–13.30: Mittagspause

  • 13.30–13.50: Virginia Hagn (QWIEN): Von Homoerotik zu Homophobie: Stereotype Bilder des Orients (Werkstattbericht zu einem geplanten Projekt)

Die Abgrenzung zum „Anderen“ spielt eine zentrale Rolle in der Herausbildung von (kulturellen) Identitäten und erfolgt vielfach über sexuelle Zuschreibungen. Das geplante Projekt untersucht anhand deutschsprachiger Reiseberichte, wie das im 19. Jhd. dominierende Bild des „homoerotischen Orients“ sprachlich konstruiert wurde und welche gesellschaftlichen Funktionen es erfüllte. Diese historische Perspektive soll es so nicht zuletzt ermöglichen, die gegenwärtige Gleichsetzung von Islam/Orient und Homophobie kritisch zu hinterfragen.

  • 13.50–14.10: Stefan Ossmann (Univ. Wien): Polyamorie. Zu Fragen neuer queerer Konzepte von Partner_innenschaft

Im Vortrag werden allgemeine Fragen zu Polyamorie (Was ist das genau; wo liegen die Unterschiede zu Affären, offener Beziehung oder Swingen; wie sieht die rechtliche Situation aus, etc.) geklärt. Im anschließenden Workshop werden in Kleingruppen unterschiedliche Zeitungsartikel (aus Standard, Welt, Zeit, NZZ, FAZ, TAZ, etc.) zum Thema Polyamorie auf deren mediale Darstellung von Mehrfachbeziehungen analysiert.

  • 14.10–14.30: Stephan Damm (Meduni Graz): HIV Awareness in Österreich; Wissen, Bewusstsein und Risikoverhalten unter Schüler_innen und Student_innen

Die noch immer hohen Zahlen von HIV-Neuinfektionen und die hohe Rate an Erstdiagnosen in Spätstadien weisen darauf hin, dass ein unzureichendes Bewusstsein für HIV als relevantes Thema in Österreich besteht. Vor diesem Hintergrund wurden Wissen, Bewusstsein und Risikoverhalten in Hinblick auf HIV unter österreichischen Schüler_innen und Student_innen untersucht. Im Vortrag sollen die gewonnenen Ergebnisse der Studie präsentiert und die daraus folgende Bedeutung für aktuelle Präventionsarbeit diskutiert werden.
14.30–14.45: Kaffeepause
14.45–16.15: Workshops zu den Kurzvorträgen
16.15–16.30: Schlussrunde und Verabschiedung
Anmeldung erforderlich unter: qhd@qwien.at