Veranstaltungen zu „70 Jahre Lagergemeinschaft Ravensbrück“, Oktober bis Dezember 2017, Wien

Delegiertenkarte_1947_irma-trksak-aktuell2Lagergemeinschaft Ravensbrück, FreundInnen (ÖLGR/F) (Web)
Überlebende des Frauen-KZ Ravensbrück gründeten am 24. Mai 1947 die Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück (ÖLGR). Die ÖLGR ist damit eine der ältesten überparteilichen und überkonfessionellen Frauenorganisation Österreichs. Die Aktivistinnen wollen aus diesem Anlass gemeinsam feiern, gemeinsam Zukunftsfragen diskutieren und bei Vorträgen und Stadterkundungen informieren. Im Mittelpunkt werden die Überlebenden des Frauen-KZs und die Lagergemeinschaft stehen – ihr Wirken, ihre Zielsetzungen und gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen. Gleichzeitig sollen die Veranstaltungen Raum für Reflexionen über gesellschaftliche Kontinuitäten von Ausgrenzung und Diskriminierung, über zivilgesellschaftliches Engagement im Allgemeinen und über das Vermächtnis der „Ravensbrückerinnen“ im Besonderen geben.
Weitere Veranstaltungen (Link zum ganzen Programm)

  • 20.-21.10.2017: Diskussionsveranstaltung „Auf den Tisch legen“
  • Oktober bis November 2017: Stadterkundungen „Wien und die ‚Ravensbrückerinnen’“
  • Oktober bis Dezember: Weitere Veranstaltungen

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  • ::: AUF DEN TISCH LEGEN

Zeit: 20.-21. Oktober 2017
Ort: Volkskundemuseum, Laudongasse 15-19, 1080 Wien
Die ÖLGR trifft sich seit ihrer Gründung 1947 einmal im Monat: „Rund um einen großen Tisch sitzend, werden Ereignisse besprochen und Aktivitäten geplant, wird diskutiert und debattiert, gelacht und gefeiert. Auch wir wollen uns im Volkskundemuseum um einen großen Tisch versammeln, auf dem viele der Aktivitäten und Herausforderungen der Lagergemeinschaft dargestellt sind. Auf den Tisch legen werden wir dabei das historische wie gegenwärtige gesellschaftspolitische Engagement der ÖLGR und es so zur Diskussion stellen. Eine kleine Fotoausstellung zu Stationen der Geschichte der Lagergemeinschaft ergänzt das Programm. Eintritt zu allen Veranstaltungen frei! Um Anmeldung bis 10. Oktober wird gebeten: LGRav_FreundInnen@gmx.net oder 0650/48 00 636 (bitte möglichst eine SMS unter Angabe des Namens und des Teilnahmewunsches schicken!)“
Fr. 20. Oktober 2017
17.00-17.30 Uhr: 70 Jahre: Bilder & Stationen
Begrüßung und kurze Besichtigung & Besprechung der Exponate
17.30-20.00 Uhr: Tischgespräch 1: „Nie wieder …!“ Wer und was ist die ÖLGR? Versuch einer Bilanz
Die Ravensbrück-Überlebenden waren 1947 die ersten, die sich in Österreich zu einer Lagergemeinschaft – zur ÖLGR – zusammenschlossen: „Die ÖLGR setzte sich weitreichende Ziele, die die politische Arbeit während des NS, den Kampf für Demokratie und Frieden, gegen Diktatur, Krieg und Nazismus fortschrieben. In diesem Tischgespräch lassen wir die vielfältigen Tätigkeiten der ÖLGR Revue passieren, versuchen jedoch auch eine Einschätzung: Konnte sie ihre Ziele erreichen? Ist das Ziel „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ überhaupt erreichbar? Wie ist ihr gesellschaftlicher, (bildungs-) politischer Beitrag für die österreichische Gesellschaft zu bewerten? Und was bedeutet der Befund dieses Tischgesprächs für die zukünftige Arbeit der ÖLGR & FreundInnen?“
Ausklang mit Buffet
Sa. 21. Oktober 2017, 10.00-20.00: Tischgespräche, Präsentationen, Konzert
10.00-12.30 Uhr: Tischgespräch 2: Vermächtnis
Das Vermächtnis der KZ-Überlebenden als Auftrag an die Nachgeborenen. Die Bedeutung einer Lagergemeinschaft heute.
2005 haben die „Ravensbrückerinnen“ die Leitung der ÖLGR an die nachfolgenden Generationen übergeben und ihre Erwartungen in einem Vermächtnis festgehalten: „In diesem Tischgespräch möchten wir die Aufgaben und die Bedeutung einer Lagergemeinschaft heute (gemeinsam) ergründen: Wie können wir diesem Auftrag unter den aktuellen Rahmenbedingungen gerecht werden? Wie kann Erinnerungspolitik ohne die Zeitzeuginnen aussehen? Wie lassen sich Widerstand und Verfolgung von Frauen im Nationalsozialismus mehr als 70 Jahre später noch ansprechend vermitteln? Welche Erfahrungen mit Jugendlichen gibt es dazu bereits?“
13.30-14.00 Uhr: Ausstellung „Heimat : machen“
Kostenlose Führung durch die aktuelle Ausstellung „Heimat : machen. Das Volkskundemuseum in Wien zwischen Alltag und Politik“. Die nunmehr 100-jährige Nutzung des Hauses als Museum ist Anlass, über die eigene Geschichte, über Positionierungen und Handlungen im Namen von „Volkstum“ und „Heimat“ nachzudenken.
14.00-15.00 Uhr: Vilma Steindling
Eine jüdische Kommunistin im Widerstand. Buchpräsentation mit Ruth Steindling & Claudia Erdheim
Diese Publikation zeichnet den Lebensweg von Vilma Steindling nach, die für ihre Ideale ihr Leben aufs Spiel setzte und die trotz schwerwiegender Traumatisierungen wieder zurück ins Leben fand. Über das Leid, das sie erfahren hatte, sprach sie wenig. Die Autorinnen setzen sich über sehr persönliche Zugänge auch damit auseinander, welche Folgen das für ihre Kinder und Enkelkinder hatte.
15.30-18.00 Uhr: Tischgespräch 3: „Der lange Schatten“
„Bezug nehmend auf die vorangegangene Buchpräsentation wollen wir in diesem Tischgespräch verschiedene Formen der Tradierung, aber auch das Schweigen innerhalb der Familien besprechen. Wie wurde mit der eigenen Lebensgeschichte, der Traumatisierung, den Erinnerungen innerhalb der Familien, v.a. den Kindern gegenüber, umgegangen? Unter welchen Langzeitwirkungen litten die Verfolgten? Welche Auswirkungen hat dies auf die zweite und dritte Generation? Und die Tradierung außerhalb des familiären Rahmens? Warum sprachen manche Überlebende erst/nur mit Außenstehenden? Und wie sollen wir in Zukunft mit all den Geschichten umgehen, welche Verantwortung tragen wir?“
19.00-20.00 Uhr: Maren Rahmann: Konzert „… schon winkt aus der Ferne die Freiheit“. Lieder aus Konzentrationslagern und dem antifaschistischen Widerstand
„Wir lassen die Tischgespräche ausklingen mit Liedern, die vom Leid erzählen, aber auch vom Widerstehen und der Hoffnung auf eine bessere Welt. Mit Texten von Antonia Bruha, Käthe Leichter, Anna Stiegler, Jura Soyfer u.a.
Musik von Maren Rahmann u.a.“
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  • ::: WIEN UND DIE „RAVENSBRÜCKERINNEN“: Stadterkundungen zum Gedenken im 2. und 9. Bezirk

Zwischen 3.000 und 4.000 Österreicherinnen wurden während der NS-Herrschaft ins Frauen-KZ Ravensbrück verschleppt. Viele von ihnen hatten zuvor in Wien gelebt und gearbeitet, und besonders viele Wienerinnen hatten sich dem Widerstand angeschlossen. Eine bisher ungeklärte Zahl dieser Deportierten wurde ermordet oder verstarb infolge von Torturen und Mangelernährung. Einige Überlebende gründeten 1947 die Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück. Die Historikerin Petra Unger führt auf den Spuren von „Ravensbrückerinnen“ durch den 2. und 9. Bezirk und setzt deren Geschichte in Bezug zu Stadt und Gegenwart. Die Stadterkundungen führen an die Verfolgungs-, Widerstands-, Deportations-, Lebens- und Arbeitsorte von im KZ Ravensbrück inhaftierten Wienerinnen.
Termine für Schulklassen (ab 9. Schulstufe):

  1. Mo. 16.10.2017, 9.30-11.30 Uhr;
  2. Di. 17.10.2017, 9.30-11.30 Uhr;
  3. Do. 19.10.2017, 9.30-11.30 Uhr;

Die Stadterkundung für Schulklassen wird mit einem Gespräch mit dem Rechtsextremismusexperten des DÖW, Andreas Peham, abgeschlossen. Die Führungen für Schulklassen sind kostenlos.
Termine für Erwachsenenführungen:

  1. Fr. 13.10.2017, 14.00-16.00 Uhr;
  2. So. 15.10.2017, 11.00-13.00 Uhr;
  3. So. 22.10.2017, 14.00-16.00 Uhr;
  4. Do. 26.10.2017, 11.00-13.00 Uhr;
  5. Sa. 4.11. 2017, 14.00-16.00 Uhr;
  6. Fr. 10.11. 2017, 14.00-16.00 Uhr;
  7. Sa. 11.11. 2017, 14.00-16.00 Uhr;

Unkostenbeitrag: 12 € + 3 € Miete für Kopfhörerset (falls erwünscht) Der jeweilige Treffpunkt wird nach Anmeldung bekanntgegeben. Anmeldung bis 2 Wochen vor Wunschtermin erforderlich unter: LGRav_FreundInnen@gmx.net oder 0650/48 00 63 (bitte eine SMS unter Angabe des Namens und des Teilnahmewunsches schicken!)
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::: WEITERE VERANSTALTUNGEN …
… im Rahmen der 70-Jahr-Feierlichkeiten der ÖLGR/F (Anmeldungen hier nie erforderlich; Eintritt immer kostenlos)

  • Antifeminismus & Rechtspopulismus. Vortrag und Diskussion mit Rebekka Blum

Zeit: Fr. 27. Oktober 2017, 19.00, für Frauen
Ort: FZ, Währingerstr. 59/ Eingang Prechtlgasse (bei schwarz-roter Tür läuten), 1090 Wien
Antifeminismus und „Anti-Genderismus“ sind Bestandteil und Strategie des (politischen wie auch des religiösen) Rechtspopulismus. Wer gegen Gleichstellung, veränderte Geschlechterverhältnisse und einen angeblichen „Gender-Wahn“ wettert, erhält Zustimmung bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein. Antifeministische Hetze kleidet sich mit familien- und kinderfreundlichen Argumenten nämlich gern in ein bürgerliches Mäntelchen. Auf (partei-) politischer Ebene kommt es dabei regelmäßig zu inhaltlichen und personellen Überschneidungen antifeministischer und rechtspopulistischer Gruppen wie der AfD und dem Front National. Zudem gehen katholische und evangelikale Gruppierungen eng mit antifeministischen Bestrebungen einher. Wie funktionieren diese Strategien und worauf beruht diese Hetze?

  • Warum die Wunde offen bleibt. Ein Film von Marika Schmiedt. A © 2016, 80 min (Link), danach Diskussion mit der Filmemacherin

Zeit: Fr. 3. November 2017, 19.00
Ort: DÖW, Altes Rathaus, Wipplingerstr. 6-8, 1010 Wien
Der Film beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des Holocausts an Roma und Sinti durch die zweite und dritte Generation und bringt Geschichte in Relation zu aktuellen Diskriminierungen und Verbrechen gegen Roma und Sinti. Damit verdeutlicht Marika Schmiedt die Notwendigkeit und Dringlichkeit umfassender Auseinandersetzung: geschichtlich, familiär, psychoanalytisch und nicht zuletzt politisch (Link). Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (Link).

  • Erinnern und Gedenken – heute! Feministisches antifaschistisches Gedenken führt konsequent zum Heute: Information & Diskussion

Zeit: Fr. 1. Dezember 2017, 19.00
Ort: FZ, Währingerstr. 59/ Eingang Prechtlgasse (bei schwarz-roter Tür läuten), 1090 Wien
Seit 2001 gestalten Autonome Feministinnen ein Feministisches Gedenken bei der Befreiungsfeier in Mauthausen – v.a. an jene Frauen, die vom KZ Ravensbrück ins KZ Mauthausen gebracht wurden, um im Lagerbordell zu arbeiten. Diese Initiative ist der fortlaufende Versuch, im Hier und Heute Kontinuitäten des NS aufzuzeigen, sie zu beenden, klare feministische antifaschistische Praxen zu entwickeln und sie mit dem Auftrag „Niemals vergessen“ zu verbinden.

  • Ausstellung: Die Gedenkkugel …

… für die lesbischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Ausstellung zur aktuellen Auseinandersetzung um ein Denkmal für die verfolgten und ermordeten lesbischen Frauen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück.
Zeit: 9. Oktober bis  20. Dezember 2017

Ort: FZ, Währingerstr. 59/ Eingang Prechtlgasse (bei schwarz-roter Tür läuten), 1090 Wien2015 legte die Initiative „Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich“ in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück die Gedenkkugel erstmals nieder. Seither finden heftige Auseinandersetzungen um die Anerkennung der spezifischen Verfolgung lesbischer Frauen und um würdiges Gedenken statt.