Zeitschrift WerkstattGeschichte; Dirk Schuck, Elisabeth Weiß-Sinn und Fabian Zimmer (Web)
Einreichfrist: 15.10.2026
Dass sich Menschen in westlichen Gesellschaften der Gegenwart über ihre Konsumpraktiken als Individuen erfahren, entwerfen und darstellen, ist historisch verhältnismäßig jung. Die enge Kopplung von Konsumhandeln und individueller Selbstwerdung ist keine anthropologische Konstante, sondern das Ergebnis spezifischer sozialer, ökonomischer und diskursiver Konstellationen. Wie es dazu kam, dass Konsum zu einem zentralen Medium der Subjektbildung wurde – mit welchen Deutungsmustern, in welchen Ungleichheitsverhältnissen, gegen welche Widerstände –, ist die Leitfrage des geplanten Themenhefts.
Das Heft rückt die historische Herausbildung konsumgesellschaftlicher Subjektformen ins Zentrum. „Individuation“ verstehen wir dabei nicht als Synonym für die soziologische Individualisierungs-Diagnose Ulrich Becks oder für Prozesse der Ausdifferenzierung eines vorgängigen „Selbst“, sondern als analytischen Begriff für die psychosoziale Herausbildung von Selbstverhältnissen in ihrem historischen und (konsum-)gesellschaftlichen Kontext. Zugleich fragt das Heft nach den historischen Wissensbeständen selbst – nach zeitgenössischen Vorstellungen von „Selbst“, „Persönlichkeit“, „Geschmack“ oder „Freiheit“, die diese Verschränkung begleiten, legitimieren oder kritisieren. Methodisch verbindet das Heft dazu Praxis-, Wahrnehmungs- und Begriffsgeschichte.
Drei ineinander verwobene Dimensionen strukturieren dieses Programm:
Konsum als Praxis der Subjektivierung. Wie wurden Individuen im Vollzug des Kaufens, Besitzens und Gebrauchens von Waren zu Subjekten spezifischer Art – zu Eigentümer:innen, Bürger:innen, Konsumentinnen, Sich-Selbst-Verwirklichenden? Welche Handlungsspielräume eröffneten sich, welche wurden zugleich verschlossen?
Wahrnehmungs- und Begriffsgeschichte des Konsums. Welche Semantiken – Komfort, Behaglichkeit, Geschmack, Bedürfnis, Luxus, Authentizität – begleiteten die Verankerung des Konsums im Selbstverhältnis moderner Subjekte? Welche neuen Regime des Sehens, Fühlens, Genießens und Vergleichens entstanden mit ihm? Wie wurden Wahrnehmungsroutinen des Konsums selbst zu Trägern von Individuation? Continue reading

GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft; Christina Brüning, Funda Hülagü, Mike Laufenberg, Johanna Leinius und Inga Nüthen
Ö1-Reihe Radiokolleg; Irmi Wutscher
Frauenstudienzirkel
Österreichische Akademie der Wissenschaften, SFB F92 Managing Maximilian (1493-1519)
31. Tagung des Arbeitskreis Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit
The Archives of Rural History in Bern, the European Rural History Organisation (EURHO), the Agricultural History Society in the USA and the European Rural History Film Association (ERHFA): visualhistory.info